Das Haus am See
Das Haus am See

Die magische Hochzeitseiche

Es begab sich einmal zu der Zeit als der Teufel die Spreewaldfließe und den Teufelsteich fertig hatte.

Die Langeweile plagte ihn so sehr, dass er in die Welt hinaus zog, um dort Unheil und Verderben über die Menschen zu bringen.

Dies war für die Wenden im Spreewald eine glückliche Zeit und man feierte ohne Unterlass. Alles gelang und gedieh und keiner musste eine Not leiden. Es gab viele Feste und Tänze, die Frauen trugen üppige Kleider mit schönen Stickereien und Seidenbändern. Wenn sie tanzten, schwebten die Röcke in der Luft, sodass es aussah, als würden zauberhafte Blumen auf den Feldern und Wegen aufgehen.

Der Teufel reiste weit umher und brachte viel Not und Elend über viele, viele Länder. So kam er in den Weiten der ungarischen Puszta an einem Ziehbrunnen vorbei, an dem er ein wunderschönes, liebreizendes Mädchen erblickte. Von dieser Schönheit war er so fasziniert, dass er tagelang umher schlich, um sie sich zum richtigen Zeitpunkt zu Eigen zu machen.

An einem schönen Sommerabend, als die Sonne gerade untergehen wollte und den Himmel in ein tiefes Rot tauchte, witterte der Barbar seine Gelegenheit. Die schöne Fürstentochter Valentina spazierte mit einer Münze spielend im elterlichen Garten umher, als sie wie aus dem Nichts einen starken, schwarzen Hengst erblickte. Valentina war so fasziniert, dass sie sich ohne Scheu diesem Pferde näherte, es vorsichtig streichelte und aufsaß. In diesem Augenblick verwandelte sich dieser zu einem feurigen Ungeheuer und verschwand mit der Fürstentochter in der Dunkelheit.

Er eilte über viele Berge, Flüsse und Seen bis er wieder zurück in unserem wunderschönen Spreewald war. Nun wollte der Wüstling die schöne Valentina in sein Reich hinab bringen. Da der Teufel nun aber bekanntlich ein liederlicher Hund ist und seine Auserwählte nicht gleich in seine schlotterige Behausung laden wollte, trug er Valentina zu einer großen prachtvollen Eiche und verschwand in die Unterwelt, um diese für seine Braut herzurichten.

So kam es, dass der Müllerssohn Valentin aus der Mühle auf dem weißen Berg die bezaubernde Schönheit in der Ferne erblickte und ihr sofort zur Hilfe kam. Als sie einander gegenüber standen, die Eiche mit ihren großen starken Ästen schützend über ihren Häuptern, verliebten sich die Zwei auf der Stelle ineinander und fielen sich in die Arme.

Der Teufel sah diese Schmach und wollte sich die Seine holen. Er tobte in wildem Zorn auf das Verliebte Paar zu, doch kam er nicht an sie heran. So standen sie im Schutz der großen Eiche, die den stärksten ihrer drei Äste dem Teufel entgegen schlug. Es gab ein ohrenbetäubendes Donnergrollen und ein Feuerschweif erhob sich, der Ast entflammte und ward sofort zu Asche. Der Teufel aber wurde so erbarmungslos von dem Ast getroffen, dass dieser direkt in seinen Höllenpfuhl zurückgeschleudert wurde. Das riesige Loch, das er hinterließ, füllte sich alsbald mit Wasser. Und so entstand der See.

Die Verliebten bauten sich ein Haus in der Nähe und sägten jedes Brett und jeden Balken auf einem weißen Sägebock aus Birkenholz. Die Holznägel aber schnitzten sie aus dem bei des Teufels Abstieg ausgebrannten Trieb - dem Teufelstrieb der Eiche, die fortan Valentinseiche benannt wurde. Valentin und Valentina heirateten unter jener Eiche, bekamen 20 Kinder und verbrachten jedes Jahr ihren Hochzeitstag unter diesem Baum. Valentinas Münze, die sie an dem Tag ihrer Entführung mit sich trug, wurde ihr Talisman, denn sie trug das Bildnis ihres Vaters. Aus Dankbarkeit für ihr Glück und ihre Liebe machten sich beide im hohen Alter auf eine Pilgerreise. Aus dem fernen Spanien brachten sie einen Orangenzweig mit, weil dessen Früchte beide erfreuten. Dieser Zweig verlor seine Blätter auf den letzten Schritten vor ihrem Haus, dem heutigen „Haus am See“.

Valentin spielte mit seinen 100 Enkeln Kricket auf dem Rasen vor der magischen Eiche und verehrte seine Braut bis an sein Lebensende. •